Drei Monate weit reicht dieser Gemeindebrief – und dann noch solche mit so großen
Festen: Gründonnerstag und Karfreitag, Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten. Von großer
Nähe über tiefste Einsamkeit, hin zu unglaublichem Leben mit einem Abschied bis zum
geistbewegten Neuanfang.
Große Nähe: Am Gründonnerstag wäscht Jesus seinen Leuten die Füße. Ich erinnere
mich, wie merkwürdig nah mein alter Vater und ich uns waren, als ich das einmal mit
ihm tat. Die Leute von Jesus wehren das erst ab, ehe sie diese Nähe zulassen: Soll ihr
Meister ihnen etwa dienen? Jesus lehrt sie: „Wer bei euch was gelten will, der muss allen
dienen!“. Und dazu das heilige Mahl am Abend: „Nehmt, esst, mit Leib und Leben bin ich
für euch da, nehmt das in euch auf.“, so verstehen sie es, als Jesus Brot und Wein teilt.
Direkt danach tiefe Einsamkeit: Sie rennen auseinander in der Frühe des Freitags, Judas
und Petrus erfahren, wie einsam das gebrochene Wort macht. Und am Kreuz hängt Jesus
von allen Freunden verlassen. Gott selbst geht in ihm in die tiefste Einsamkeit – im Sterben
ist er uns ganz nah. Darum nennt Luther diesen Tag den „guten Freitag“.
Ein Tag der Totenruhe schließt sich an, sie müssen warten, ehe sie Jesus den letzten
Dienst erweisen können.
Als sie das am Sonntag tun wollen, da werden sie überwältigt von der unglaublichen
Botschaft: Der Tod ist überwunden durch das göttliche Leben! Ostern ist in der Welt – es
braucht Zeit für die Jesusleute, ehe sie das ansatzweise verinnerlicht haben.
Und dann ist Jesus nicht mehr zuhanden – Himmelfahrt nennen wir das Fest, an dem
nichts anderes passiert, als dass Jesus, in dem ihnen Gott begegnete, wieder unsichtbar
und eins ist in Gott. Das große Warten folgt, in Jerusalem sitzen die Frauen und Männer
der Jesusbewegung und beten.
Dann diese merkwürdige Sachen mit Sturmwind, etwas wie Feuerflammen, aber vor allem
mit dem begeisterten Aufbruch der Wartenden nach draußen und in alle Welt –
Pfingsten, das Fest des Gottesgeistes, ist der Geburtstag der Kirche.
Drei Monate voller Gewicht. In den Festen steigen wir in ihre Erfahrungen ein und verinnerlichen sie: Wir sitzen mit Jesus am Tisch, wenn wir das heilige Mahl feiern, wir erleben den Wortbruch und die Angst und auch die Liebe Gottes des Freitag mit, wir brauchen die Osterzeit, um zu verarbeiten: Der Tod ist das Tor zum ewigen Leben, von Gott aufgestoßen, die Macht der Todesangst ist gebrochen. Und in uns wirkt Gott durch seinen
Geist und leitet uns dazu, Gottes Liebe in unseren Worten und unserem Tun an alle
weiterzugeben, die uns begegnen.
Das alles können wir gemeinsam erleben – die Gottesdienste und Musiken öffnen uns
dafür. Dass wir uns dabei sehen und unseren Glauben stärken lassen, wünsche ich uns
allen – damit es eine gesegnete Zeit sei!

Ihre Anne-Christina Wegner