Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! Jes 58,7

 

Der Prophet lebt wie wir in einer Umbruchzeit. Noch geht es dem Land gut, aber irgendwie eben auch nicht, es stagniert. Unbehagen breitet sich aus: Unsere Gesellschaft ist krank. Die Armen geraten aus dem Blick, man zieht sich ins Eigene zurück. Aber was sollen wir da machen, sollen wir fasten und vor Gott demonstrieren? Der Prophet sieht, was los ist und sagt, was Gott dazu sagt. „Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe in dein Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! Wenn Du aufhörst mit übler Nachrede, wenn Du Dein Herz finden lässt, dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten. Dann wirst du rufen, und der Herr wird dir antworten. Er wird sagen: Siehe, hier bin ich.“ Was Du tust oder versäumst, entscheidet über den Zustand unserer Gesellschaft, davon reden die Propheten oft. Das ermutigt mich, statt hilflos unter Zuständen zu leiden, kann ich aktiv werden. Gerade in dieser Adventszeit tut mir das gut, denn die Seuche macht mich zwischendurch rat-und hilflos. Der Fortgang und die Folgen lassen sich ja noch gar nicht absehen. Gut, hier durch den Propheten auf das Mögliche und Naheliegende verwiesen zu werden. Wenn Du Dein Herz finden lässt, wird Dein Licht hervorbrechen – das ist für mich der Kernsatz. Menschen im Elend mein Herz finden lassen, das richtet meinen Blick auf Notlagen. Die Seuche zerstört in armen Ländern die Wirtschaft. Wer zu Hause kein Auskommen findet, flieht. Brot für die Welt hilft, zu Hause eine Zukunft zu finden. Dieses Jahr wird es mit der Kollekte am Heiligabend schwierig, wir werden ja draußen kurze Andachten feiern. Aber spenden können wir, können helfen, wo die Not so groß ist, wo Brot für Hungrige, ein Dach für Obdachlose, Kleidung für Frierende gebraucht wird. Und ein zweites heißt dies Jahr für mich „das Herz finden lassen“: Wir werden es mit dem „Lebendigen Adventskalender“ versuchen. Vielleicht können wir uns nicht in Gruppen vor den Türen und Fenstern versammeln, aber auf jeden Fall kann ein Mensch vor einem Fenstern stehen, denen dahinter und denen, die in der Nähe zuhören, ein Segenswort sagen oder ein Lied singen. Ich werde jeden Abend an einem anderen Ort genau das tun, um selber Advent zu erleben und mit anderen mich daran zu erinnern, wie der Glaube uns verbindet. Gott gebe uns sein Licht ins Herz, er helfe uns, einander beizustehen. Eine gesegnete Adventszeit!

Ihre Anne-Christina Wegner