Spruch für den Mai:

Ich wünsche dir in jeder Hinsicht Wohlergehen und Gesundheit, so wie es deiner
Seele wohlergeht. 3.Joh 1, 2

 

Fremde Briefe liest man nicht, lehrte mich meine Mutter. Aber die Briefe in der Bibel, die sind gut und nützlich zu lesen. Unser Brief, der kürzeste überhaupt, stammt von einem, der sich „der Alte“ nennt. Damals wußten sie: Das ist nicht etwa ein Kommissar, das ist einer, der Gemeinden leitet und vielleicht Jesus noch selber
gekannt hat. Er schreibt an Gaius, einen Menschen, von dem wir nichts weiter wissen, als dass er diesen Brief kriegen sollte. Und er schreibt ihm etwas, was ich bis heute oft lese und schreibe, auch in Kurznachrichten: Ich wünsche Dir, dass es Dir gut geht. Der Alte weiß sehr genau, dass zum „Gutgehen“ mehr gehört, als Gesundheit und allgemeines Wohlbefinden: Die Seele gehört dazu, hier kommen Denken, Fühlen und Wollen zusammen. Längst beschäftigen sich die Ärzte mit ihr, der Seele, der Psyche, wie sie auf griechisch heißt. Bei Gaius geht es der Seele gut. Er ist treu im Glauben und er lebt das auch, er sorgt für Wanderprediger, die in der Gemeinde Station machen. Er pflegt damit die beiden Verbindungen, die die Seele hat und die für unsere Gesundheit auch intakt sein müssen: Die Seele ist mit allem körperlichen verbunden, mit dem, was wir tun, und sie ist mit Gott verbunden, mit dem, was wir glauben, beten und hoffen. Und beides muss im Gleichgewicht sein, damit es unserer Seele gut geht. Seelsorge heißt: Ich lebe aktiv meinen Glauben, verbinde mein alltägliches Tun für meine Nächsten mit meinem geistlichen Leben in Gottesdienst, Gebet und Andacht. Letzte Woche gab es im Radio eine Sendung, in der eine Wissenschaftlerin von einer Studie berichtete, nach der es denen besser geht, die Gutes tun. Es verändert das Gehirn zum Positiven, sodass sie sich wohl fühlen und
besser mit negativen Erfahrungen umgehen können, stellte die Studie fest.
Ich finde es großartig, dass sie zu Zeiten von Gaius und dem Johannesbrief das längst
schon aktiv lebten. Tun wir uns doch auch den Gefallen: Sorgen wir für unser Wohlbefinden, indem wir unsere Alltagspraxis und unseren Glauben so positiv verbinden, wie das Gaius tat, schaffen wir die Grundlage dafür, uns in jeder Hinsicht gesund und wohl zu befinden, wie es der Alte seinem Freund Gaius wünscht!

So wünsche ich Ihnen in jeder Hinsicht Wohlbefinden für Seele und Leib!
Ihre Anne-Christina Wegner

Der Monatsspruch für Juni lautet:

Lege mich wie ein Siegel auf Dein Herz, wie ein Siegel auf Deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod und ihre Glut eine Flamme des Herrn, so daß auch viele Wasser die Liebe nicht auslöschen können. (Hoheslied 8; 6 – 7a)

 

 

Liebe Gemeinde: Eine Liebesbitte als Monatsspruch in einem Gemeindeblatt, das wohl am meisten von Menschen über 40 gelesen wird – das hat was. Und weil ein Spruch aus dem Liebesliederbuch der Bibel in unserem Gemeindealltag so selten ist, will ich ihn auch nicht kürzen, wie es die Losungen tun: Sie schneiden von der Begründung die wichtigen Teile weg, sodass eine platte Aussage bleibt: Liebe ist stark – na, das weiß ja jeder. Aber von vorne: Die Freundin bittet ihren Freund: Lege mich wie ein Siegel auf Dein Herz, wie ein Siegel auf Deinen Arm! Alles, was Du denkst und fühlst, das sei Dir wichtig, weil Du mich hast. Alles, was Du tust, das tue mit mir - unlösbar sei mit mir verbunden, wie Brief und Siegel. Lege mich wie ein Siegel auf Dein Herz - ganz nahe will ich Dir sein, nichts und niemand soll zwischen uns stehen. Ein wunderschönes Bild: Eine Gemeinschaft, in der einer für den anderen bürgt, wie mein Siegel verbürgt: Ich stehe für das Geschriebene ein! Und gleichzeitig hat das Bild auch noch eine andere Dimension. Denn ein Siegel sagt auch: Hände weg für Unbefugte. Niemand hat das Recht, sich zwischen diese beiden Herzen und in diese Arme zu drängeln. Alle anderen sind Verwandte oder Freunde oder Kinder, aber niemals das Siegel auf dem Herzen und auf dem Arm der Liebenden. Liebe ist so stark wie der Tod, weil sie eine Flamme Gottes ist. Vom Tod hören wir nicht so gern, wenn es um die Liebe geht, und doch ist das sehr passend: Keine Kraft überwindet den Tod als die Liebe. Paulus sagt darum: Liebe erträgt alles, wenn alles andere aufhört, dann bleibt immer noch Liebe. Sie entspringt ja Gottes Herzen, so schenkt sie Ewigkeit. Davon erzählen die Ostergeschichten. Weil Gott liebt, darum überwindet Jesus den Tod und schenkt auch uns das ewige Leben. So reicht unser Spruch über die irdischen Liebesgeschichten hinaus und baut eine Brücke in die Ewigkeit. Wem ein so geliebter Mensch starb, der erinnert sich an die Liebe, die da war und die bleibt, stärker als der Tod. Der Juni kennt heiße Tage, eine gute Gelegenheit, diesen Monat mal bewußt die anzusehen, die wir lieben. Vielleicht auch eine gute Gelegenheit, diese Liebe neu zu befeuern mit der Flamme von Gottes Liebe. Zu entdecken, was Gott alles liebenswertes in diesen Menschen gelegt hat, den ich liebe. So wünsche ich uns einen mit Liebe gesegneten Juni! Ihre Anne-Christina Wegner