Suchet der Stadt Frieden und betet für sie zum HERRN; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's euch auch wohl.   (Jeremia 29,7)

Liebe Gemeinde,
ein besonderes Jahr geht mit dieser Ausgabe des Gemeindebriefes für mich zu Ende. In
den vergangenen zwölf Monaten habe ich viele von Ihnen und Euch näher kennenlernen
dürfen, habe es genossen Gottesdienste zu feiern, gemeinsam Taizélieder zu singen und
allerlei Gemeindeveranstaltungen zu begleiten. Für das Vertrauen und die Freundschaft, die
ich hier erfahren habe, möchte ich mich bei Ihnen und euch allen von Herzen bedanken!
So wie ich, haben sich die Israeliten vor 2500 Jahren in der Fremde wiedergefunden - also
fast… Im Gegensatz zu mir wurden sie verschleppt und fanden sich in einer feindseligen
Umgebung wieder, sie sehen mein Vergleich hinkt! Dennoch spricht Jeremia ihnen zu:
„Verbittert nicht, lebt mit den Menschen hier. Gründet Familien, pflanzt Gärten; sucht der
Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN.“ Mein Vergleich hinkt, denn einerseits haben Sie mich mit offenen Armen empfangen, andererseits will ich nicht das Leid von Menschen, die wider ihren Willen im Exil leben müssen, relativieren! Doch ich frage mich, ob nicht viele von uns das Gefühl kennen, fremd und angefeindet zu sein. Fremd unter bekannten Gesichtern vielleicht, wie es manchen Kirchenmitgliedern zu DDR-Zeiten ergangen sein mag. Fremd zwischen all den Zuordnungen, die wir uns heute oft gegenseitig an den Kopf werfen, Stadt oder Land, studiert oder gelernt, Ost oder West, rechts oder links. Jeremia aber ordnet nicht zu. Er blickt nicht zurück, er blickt voran. Jeremia sucht Frieden. Jeremia sucht Schalom. Schalom, dieses Wort bedeutet sehr viel mehr als nur die Abwesenheit von Feindseligkeit und Krieg. Es bedeutet ein umfassendes Aufblühen, eine Ganzheit, Fülle und Freude. Schalom, kurz gesagt, ist die Weise, wie die Dinge sein sollten. Jeremia fordert uns auf mitzusuchen - unabhängig von Feindseligkeiten, Verstrickungen und persönlicher Verletztheit. Er bittet uns das eigene Ego zurückzustellen und als Gemeinschaft voranzugehen, schlicht zu leben. Im Gebet (in dem ich mich von mir selbst hin zu Gott wende) und im ganz konkreten Handeln für und mit der Gemeinschaft. Suchet der Stadt Frieden, ihr Schalom - denn wenn’s ihr wohlergeht so geht’s euch auch wohl. Wir alle sind miteinander verbunden, als Geschwister im Herrn und Ebenbilder Gottes. Ich will Ihnen für die Momente danken, in denen ich das mit Ihnen und durch Sie erkennen durfte. Bleiben sie mir und einander auch in Zukunft verbunden. Suchet der Stadt (und des Landes) Frieden! Schalom, der Friede Gottes, sei mit euch!

Ihre Katharina Scherf